INNOVATIV AUS TRADITION

wir leben veränderung.

“Wir haben uns immer etwas getraut. Es haben sich Projekte aufgetan, die Veränderungen mit sich gebracht haben, die Möglichkeit, Neues auszuprobieren, das Unternehmen weiterzuentwickeln“, erzählt Reinhard List rückblickend. So, wie er die Entwicklung des Familienunternehmens schildert, hat man den Eindruck, dass sich im Lauf der Jahre einfach nahtlos eins ins andere gefügt hat.
Reinhard List wächst sozusagen in der Werkstatt des väterlichen Betriebs auf. „Wir haben uns als Kinder in der Werkstatt bewegt, wie wir wollten. Wir konnten handwerklich etwas machen, wir konnten hobeln, schneiden, alles. Wir waren immer und überall dabei“, erinnert sich Reinhard List an seine Kindheit. Die Tischlerei ist damals noch ein kleiner mittelständischer Betrieb. „Fünf bis zehn Leute waren tätig. Und es herrschte immer eine positive
Stimmung. Mein Vater war ein schaffender, ein zurückhaltender Mensch. Aber er war auch eine Führungspersönlichkeit. Er war in der Früh der Erste im Betrieb, er hat angepackt, er hat sich gekümmert, er war für alle da. Und ich, ich habe damals mitbekommen, Teil eines großen Ganzen zu sein.“

Dennoch ist es anfangs durchaus nicht ausgemacht, dass Reinhard List in die elterliche Tischlerei einsteigt. 1976 schließt er sein Studium ab und es steht die Idee eines eigenen Architekturbüros im Raum. „Aber dann haben mehrere Dinge zusammengespielt. Einerseits der gesundheitliche Zustand meines Vaters und andererseits gab es Architekturprojekte im Betrieb, für mich Gründe zu bleiben.“

1950

Franz List sen. gründet den Tischlereibetrieb List in Aspang, Niederösterreich und beliefert die örtliche Umgebung. Seit der Firmengründung ist List GC im Familienbesitz und wird durch den ausgeprägten Pionier- und Unternehmergeist der Familie List immer weiter vorangetrieben.

1. Reihe, 2. v.l.: Franz List sen.
Reinhard List & Theresa Ludwiger-List
„Anfang der 1980er Jahre gab es eine Anfrage für ein Hochbauprojekt in Polen. Ich war immer interessiert mehr zu machen. Also haben wir das Unternehmen in eine GesmbH umgewandelt, um international expandieren zu können. Es ging darum, Chancen zu nutzen, Netzwerke aufzubauen zu anderen österreichischen Unternehmen, die im selben Raum tätig waren. Die ersten Kontakte habe ich auch noch aktiv aufgetan. Unser Auftragsbuch wurde immer voller. Kundentermine fanden damals in unserem Showroom in Wien statt, in dem wir unsere eigenen Möbellinien präsentierten und verkauften. Das bat sich an, da die räumliche Nähe zum Flughafen Wien dort gut gegeben war. Die Räumlichkeiten waren zwar klein, doch groß genug, um dort auch die Planbesprechungen oder Bemusterungen mit unseren Kunden zu machen. Es brauchte sehr viel persönliches Engagement, sehr viel persönlichen Einsatz. Denn damals“, erinnert sich Reinhard List, „waren die Verträge noch einfacher, nicht so komplex. Worauf man sich unbedingt verlassen konnte, das war eben die Handschlagqualität. Es brauchte Vertrauen.“ Das kann man Unternehmergeist nennen. Oder so wie Theresa Ludwiger-List Pioniergeist.

„Wichtig ist, immer wieder Neues auszuprobieren. Änderung ist Inspiration. Gleichzeitig ist es wichtig, dass gelebter Pioniergeist im Unternehmen einen Rahmen findet. Es braucht einerseits stabile Routine, andererseits braucht es Impulse der Entwicklung. Beides muss miteinander in Balance sein. In unserem Unternehmen war diese Einstellung immer spürbar. Früher noch nicht so strukturiert und organisiert, wie wir es jetzt sind, wodurch der Pioniergeist heute auch zielgerichteter ist. Auf jeden Fall ist er ein wesentlicher Teil unseres Selbstverständnisses und unserer Tradition“, führt sie aus.

„Pioniergeist ist es auch, den Bedarf in anderen Regionen zu erkennen und zu nutzen“, greift Reinhard List den Faden auf, „dazu brauchst du aber auch die Leute, die ihn leben, denen du vertraust, dann ergibt eines das andere. Das war bei uns der Fall.“ Und es gilt, Situationen zu erkennen und die richtigen Handlungen zu setzen, fügt er hinzu. „Eine große Entscheidung war es, den Hochbaubereich zu verlassen. Dann kam das Projekt MS Deutschland.“ Die Anforderungen am Schiff sind freilich nochmals andere. „Aber es ging bald reibungslos, wir haben technische Lösungen gefunden, wir haben die Dinge zusammengebracht“, so Reinhard List.

1986

Mitte der 1980er Jahre wurden die Möbelprogramme Wien, Manifest und Epilog entwickelt. Das Design entstammte der Feder von Reinhard List, der ein traditionelles Konzept mit innovativen Ansätzen für die Möbellinien vorsah. Die Programme wurden im eigenen Showroom in der Walfischgasse 10 in Wien präsentiert und gleichzeitig auf nationalen und internationalen Möbelmessen ausgestellt und angeboten.

Wir haben uns damals
getraut, den Schritt zu setzen. Das war die wichtigste
Entscheidung.“

Reinhard List

Eine, die viele weitere Entscheidungen nach sich zieht. „Dass wir unsere eigene Produktion in Bad Erlach aufgebaut haben, war ebenfalls ein wesentlicher Entschluss“, wirft Theresa Ludwiger-List ein, „wir haben dadurch Unabhängigkeit gewonnen.“ Seit 2005 ist List GC in Bad Erlach im Süden Niederösterreichs zu Hause. Hier kommt zusammen, was zusammengehört. Wissen, Handwerkskunst und digitale Kompetenz in Gestalt von rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Das Unternehmen hat in seiner Struktur und seinen Routinen eine Tiefe entwickelt, die es berechenbarer machen. Der entscheidende Faktor aber sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, meint Reinhard List.

„Deswegen ist die Mitarbeiterentwicklung so wichtig. Es geht um Werte, um ein Leitbild, um die Frage, was es heißt, bei List GC zu arbeiten, was einen im Unternehmen erwartet und was seitens des Unternehmens erwartet wird“, setzt Theresa Ludwiger-List fort. „An diesen Themen haben wir in den letzten Jahren viel und intensiv gearbeitet. Wir haben dazu mit den Kolleginnen und Kollegen diskutiert, ihre Meinungen gehört und sind mit ihnen auf neue Aspekte gestoßen. Das trägt zu einer Unternehmenskultur bei, die für alle positiv spürbar ist, die verbindet“, betont sie. In gewisser Weise war dieser Zugang bei List GC schon angelegt.

2007

Komplexe Projekte benötigen mehr Platz, um sie professionell abwickeln zu können. Daher erwerben wir 2005 ein Grundstück in Bad Erlach und verlagern nach und nach die Abteilungen an den neuen Firmenstandort.

Zum Beispiel Handwerk, worunter Theresa Ludwiger-List vor allem Professionalität versteht, in der Produktion wie im Engineering. Oder auch das Wohlergehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Man trägt als Arbeitgeber ihnen und ihren Familien gegenüber Verantwortung. Wenn man dann weiß, es geht ihnen gut, ihre Zukunft ist gesichert, wenn sie gerne in die Arbeit kommen, dann hat man etwas geschaffen und ein Ziel erreicht.“

Deswegen auch die Einrichtung der List Holding, die von Reinhart List und Theresa Ludwiger-List geleitet wird, als „Impulsgeber, als Taktgeber für wichtige Entwicklungen“, meint Theresa Ludwiger- List. „List GC ist mit neuen Ideen und Zugängen auf einem guten Weg, die List Holding ist dafür ein wesentlicher Faktor, sie stellt die optimalen Rahmenbedingungen sicher.“ Und sie begleitet auch den Wechsel zur nächsten Generation. „Für mich gehen damit vor allem Fragen der Kultur und Tradition einher“, erläutert Theresa Ludwiger-List, „Tradition ist etwas, was einen ausmacht. Es sind Rituale, ein Miteinander, es ist Wertschätzung, ein partnerschaftlicher Umgang auf Augenhöhe. Indem die nächsten Generationen gezielt an das Unternehmen herangeführt werden, zeigt man ihnen Perspektiven auf und Möglichkeiten hin zu einem konstruktiven Miteinander, das wiederum auf das Unternehmen wirkt.“ So schafft Tradition die Basis für Innovation.

Mit der Kultur ist es wie mit der Tradition. Sie ist da, sie wird weitergegeben, sie wird von allen getragen. Und sie ermöglicht Antworten auf die Fragen, was brauchen wir und was ist uns wertvoll?

Theresa Ludwiger-List